Das Bundesfinanzministerium hat am 7. August 2026 einen Referentenentwurf veröffentlicht, der die Regeln für elektronische Kassensysteme in Deutschland deutlich verändern könnte.
Eine der wichtigsten geplanten Änderungen: Ab 2028 sollen Unternehmen ab einem bestimmten Jahresumsatz grundsätzlich verpflichtet werden, ihre Geschäftsvorfälle mit einem elektronischen Aufzeichnungssystem zu erfassen.
Für Händler, die Shopify POS einsetzen, stellt sich deshalb die Frage: Was würde eine solche Kassenpflicht konkret bedeuten, und was sollte man bereits heute wissen?
Wichtig vorweg: Die geplanten Änderungen sind noch kein geltendes Recht. Es handelt sich derzeit um einen Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums. Im weiteren Gesetzgebungsverfahren können sich die Regelungen noch ändern.
Was plant das Bundesfinanzministerium?
Mit dem Referentenentwurf möchte das BMF die Anforderungen an die elektronische Aufzeichnung von Geschäftsvorfällen weiterentwickeln.
Ein zentraler Bestandteil ist die geplante Einführung einer gesetzlichen Kassenpflicht.
Nach dem derzeitigen Entwurf sollen Steuerpflichtige, die einen Gesamtumsatz von mehr als 100.000 Euro pro Kalenderjahr erzielen, grundsätzlich verpflichtet werden, aufzeichnungspflichtige Geschäftsvorfälle mit Hilfe eines elektronischen Aufzeichnungssystems zu erfassen.
Damit würde sich die bisherige Situation in Deutschland wesentlich verändern.
Bislang besteht keine allgemeine Pflicht, überhaupt eine elektronische Registrierkasse einzusetzen. Wer allerdings ein elektronisches Kassensystem verwendet, muss bereits heute die bestehenden Anforderungen der Kassensicherungsverordnung und insbesondere die Vorgaben rund um die Technische Sicherheitseinrichtung (TSE) beachten. Mehr zur TSE-Fiskalisierung mit Shopify POS findest du in unserem Beitrag Shopify POS Lite mit TSE: Fiskalisierung mit OpenFiskal.
Der neue Entwurf würde nun zusätzlich regeln, wer ein elektronisches Aufzeichnungssystem verwenden muss.
Ab wann soll die Kassenpflicht gelten?
Nach dem aktuellen Referentenentwurf ist die Einführung zum 1. Januar 2028 vorgesehen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Händler heute bereits auf Grundlage dieser geplanten Regelung handeln müssen.
Bis zum Inkrafttreten müsste das Gesetz zunächst das weitere Gesetzgebungsverfahren durchlaufen. Dabei können sich sowohl die Umsatzgrenze als auch einzelne Anforderungen und Übergangsregelungen noch verändern.
Für Händler ist deshalb vor allem wichtig, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden:
- Heute geltende Anforderungen, beispielsweise TSE-Pflicht, KassenSichV und Meldepflichten für bestehende elektronische Kassensysteme.
- Geplante Anforderungen ab 2028, insbesondere die neue Kassenpflicht aus dem aktuellen Referentenentwurf.
Was bedeutet die 100.000-Euro-Grenze?
Der Referentenentwurf sieht eine Umsatzgrenze von mehr als 100.000 Euro Gesamtumsatz pro Kalenderjahr vor.
Unternehmen oberhalb dieser Grenze würden nach dem aktuellen Entwurf grundsätzlich unter die neue Pflicht fallen.
Gerade für kleinere Händler und wachsende Shopify-Merchants ist diese Grenze relevant. Ein Unternehmen könnte beispielsweise zunächst unterhalb der Grenze liegen und sie durch steigende Umsätze später überschreiten.
Deshalb wird im weiteren Gesetzgebungsverfahren besonders relevant sein, wie genau der maßgebliche Umsatz bestimmt wird und welche Übergangsfristen gelten, wenn ein Unternehmen die Schwelle überschreitet.
Für die konkrete steuerliche Bewertung sollten Händler ihren Steuerberater einbeziehen.
Was bedeutet das für Shopify POS?
Shopify POS ist ein elektronisches Kassensystem. Für Händler, die Shopify POS bereits heute in Deutschland einsetzen, sind daher viele Anforderungen an elektronische Kassensysteme ohnehin relevant.
Dazu gehören insbesondere:
- die Fiskalisierung von Kassentransaktionen,
- die Absicherung durch eine zertifizierte Technische Sicherheitseinrichtung (TSE),
- die Erstellung gesetzeskonformer Belege,
- die Aufbewahrung der relevanten Kassendaten,
- die Möglichkeit eines Datenexports für Prüfungen,
- sowie die vorgeschriebenen Meldungen elektronischer Aufzeichnungssysteme an die Finanzverwaltung.
OpenFiskal für Shopify erweitert Shopify POS um die für die Fiskalisierung notwendigen Funktionen und ermöglicht Händlern, Shopify POS rechtskonform im deutschen Markt einzusetzen.
Sollte die geplante Kassenpflicht in dieser Form in Kraft treten, dürfte die Zahl der Unternehmen steigen, die künftig überhaupt ein elektronisches Aufzeichnungssystem benötigen.
Für Händler, die bereits Shopify POS mit einer entsprechenden Fiskalisierungslösung verwenden, wäre die technische Ausgangslage daher eine andere als für Unternehmen, die bislang ausschließlich mit einer offenen Ladenkasse arbeiten.
Ändert sich auch die Belegpflicht?
Der Referentenentwurf enthält ebenfalls Änderungen rund um die Belegausgabe.
Nach den Plänen soll die bisherige Belegausgabepflicht weiterentwickelt werden. Insbesondere die elektronische Bereitstellung von Belegen soll stärker berücksichtigt werden.
Für Händler ist das relevant, weil digitale Belege im stationären Handel zunehmend wichtiger werden.
Shopify-POS-Händler sollten deshalb nicht nur darauf achten, dass die fiskalisch erforderlichen Informationen korrekt auf dem Beleg erscheinen, sondern auch darauf, wie Belege künftig an Kunden bereitgestellt werden.
Welche konkreten Anforderungen ab 2028 gelten werden, hängt allerdings von der endgültigen Fassung des Gesetzes ab.
Was passiert mit TSE und KassenSichV?
Die geplante Kassenpflicht ersetzt nicht automatisch die bestehenden Anforderungen an elektronische Kassensysteme.
Wer heute in Deutschland ein elektronisches Aufzeichnungssystem verwendet, muss grundsätzlich weiterhin die geltenden Anforderungen erfüllen. Dazu gehören insbesondere die Vorgaben der Kassensicherungsverordnung und die Absicherung des Kassensystems durch eine zertifizierte TSE, soweit das jeweilige System unter die entsprechenden Regelungen fällt.
Auch die Anforderungen an die Datenaufzeichnung und den Datenexport, beispielsweise im Rahmen der DSFinV-K, bleiben für elektronische Kassensysteme ein wichtiger Bestandteil der steuerlichen Compliance.
Eine neue Kassenpflicht würde daher eher eine vorgelagerte Frage verändern:
Nicht nur „Welche Regeln gelten, wenn ich eine elektronische Kasse verwende?“, sondern zusätzlich „Bin ich verpflichtet, überhaupt eine elektronische Kasse zu verwenden?“
Müssen Shopify-Händler jetzt etwas tun?
Aufgrund des Referentenentwurfs allein besteht aktuell kein unmittelbarer Handlungsbedarf.
Shopify-POS-Händler sollten aber drei Entwicklungen im Blick behalten.
1. Das Gesetzgebungsverfahren verfolgen
Die geplante Kassenpflicht befindet sich noch im Entwurfsstadium. Bis zu einer endgültigen Verabschiedung können sich Details ändern.
Besonders relevant sind dabei die Umsatzgrenze, mögliche Ausnahmen und Übergangsfristen.
2. Bestehende Kassen-Compliance prüfen
Unabhängig von der geplanten Kassenpflicht gelten die heutigen Vorschriften weiter.
Wer Shopify POS in Deutschland verwendet, sollte deshalb sicherstellen, dass das Kassensystem ordnungsgemäß fiskalisiert ist und die bestehenden TSE-, Beleg- und Meldeanforderungen erfüllt werden. Zur heutigen Kassenmeldepflicht findest du weitere Informationen in unserem Beitrag Meldepflicht für Kassensysteme und bei Meldefluss.
3. Auf eine langfristig skalierbare Lösung setzen
Gerade Händler mit mehreren Standorten oder wachsenden Umsätzen sollten darauf achten, dass ihre Kassensystem- und Fiskalisierungsarchitektur mit dem Unternehmen mitwachsen kann.
Cloudbasierte Lösungen können dabei helfen, Fiskalisierung und Compliance direkt in bestehende POS-Prozesse zu integrieren, ohne separate traditionelle Registrierkassen betreiben zu müssen.
Was bedeutet die geplante Kassenpflicht für den stationären Handel?
Sollte die Kassenpflicht wie geplant eingeführt werden, wäre sie ein weiterer Schritt zur Digitalisierung steuerlicher Aufzeichnungen in Deutschland.
Insbesondere Unternehmen, die bislang noch mit offenen Ladenkassen arbeiten, müssten sich dann stärker mit elektronischen Kassensystemen auseinandersetzen.
Für moderne Omnichannel-Händler könnte dies gleichzeitig die Gelegenheit bieten, ihre POS-, E-Commerce- und Buchhaltungsprozesse stärker miteinander zu verbinden.
Shopify-Händler können beispielsweise Online-Shop und stationären Verkauf bereits heute innerhalb derselben Commerce-Plattform betreiben. Eine integrierte Fiskalisierung ergänzt diese Infrastruktur um die lokalen steuerlichen Anforderungen.
Fazit
Der Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums vom 7. August 2026 könnte die Kassenlandschaft in Deutschland grundlegend verändern.
Nach dem aktuellen Entwurf soll ab 2028 für Unternehmen oberhalb einer Umsatzgrenze von 100.000 Euro grundsätzlich eine Pflicht zur Verwendung elektronischer Aufzeichnungssysteme gelten.
Für Shopify-POS-Händler bedeutet das zunächst vor allem: informiert bleiben, aber nicht aufgrund eines Entwurfs vorschnell handeln.
Wer bereits heute Shopify POS mit einer rechtskonformen Fiskalisierungslösung nutzt, erfüllt schon jetzt wesentliche technische Voraussetzungen, die auch in einer stärker digitalisierten Kassenlandschaft relevant bleiben dürften.
OpenFiskal ermöglicht die Fiskalisierung von Shopify POS in Deutschland und integriert die erforderlichen Prozesse direkt in die bestehende Shopify-Umgebung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die dargestellten geplanten Änderungen basieren auf dem Referentenentwurf des Bundesministeriums der Finanzen vom 7. August 2026 und können sich im weiteren Gesetzgebungsverfahren noch ändern.
Quellen
- Bundesministerium der Finanzen: Gesetzgebungsverfahren zur geplanten Kassenpflicht, veröffentlicht am 7. August 2026.
- Bundesministerium der Finanzen: Referentenentwurf.
Aktualisiert am 25.08.2026